Die in den letzten Jahren angestiegene Zahl von Routine-Serumkalziumbestimmungen sollte dazu geführt haben, dass aufgrund einer leichten Hyperkalziämie als Zufallsbefund mehr Diagnosen eines primären Hyperparathyreoidismus (pHPT) in einem frühen und weitgehend asymptomatischen Stadium gestellt werden. Der Lehrbuchklassiker der „Stein-, Bein und Magenpein“ dürfte nur noch selten imponieren; stattdessen sind unspezifische Symptome wie vermehrte Müdigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit und eingeschränkte Muskelfunktion ggf. Anlass der ärztlichen Konsultation.
Bevor die spezifische Diagnosesicherung mit einer Parathormonanalyse veranlasst wird, lohnt sich ein Blick auf die Phosphatanalyse im Serum mit der Frage „Wie passt Phosphat zur leichten Hyperkalziämie im Sinne eines möglichen pHPT?“
Die leichte Hyperkalziämie (< 3.0 mmol/L) sollte beim pHPT definitionsgemäß von einem niedrigen Phosphatbefund und der beweisenden PTH-Erhöhung begleitet sein. Das würde nahelegen, sich den Unterschied zwischen Kalzium und Phosphat und/oder deren Quotienten zu Hilfe zu nehmen, um die Möglichkeit/Wahrscheinlichkeit eines pHPT zu bewerten. Dieser Ansatz wurde zwar gelegentlich verfolgt, ist aber nicht in Leitlinien o.ä. abgebildet.
Japanische Autoren haben diese Idee ein weiteres Mal aufgegriffen und belegen, dass die Verwendung der Kalzium-Phosphat-Differenz eine Ressourcen-schonende Strategie in der initialen Diagnostik des pHPT ist und sich Bestätigungsuntersuchungen auf indizierte Fälle reduzieren lassen (Okumura et al.: BMC Endocrine Disorders 2026;26:119).
Eine erhöhte Kalzium-Phosphat-Differenz ist im Sinne eines Auffälligkeitsmarkers oder eines Vorscreenings geeignet, weitere pHPT-Diagnostik zu begründen. Bei einer leichten Hyperkalziämie gilt eine Differenz Kalzium-Phosphat unter 1.3 mmol/L als unauffällig, ab 1.5 mmol/L ist ein pHPT möglich und eine Differenz von größer 2.0 mmol/L ist deutlich verdächtig. Alternativ kann mit dem Quotienten Kalzium/Phosphat gearbeitet werden und Befunde über 4.0 sind klar auffällig.
Begrenzte Ressourcen im Gesundheitswesen sollten Anlass sein, mit Routine-Untersuchungen kostengünstig Hinweise auf bestimmte Erkrankungen zu finden und „red flags“ zu setzen. Die weitergehende Diagnostik wird dadurch nicht ersetzt, sondern begründet.
Wenn Sie die Kalzium-Phosphat-Differenz bzw. deren Quotient in ein Laborprofil integrieren möchten und/oder von uns die Berechnung/Beurteilung wünschen, sprechen Sie uns an. Wir sollten nicht auf KI-Lösungen warten, sondern Sachverhalte, die einfach überzeugen, gemeinsam in die Tat umsetzen.
Bei eventuellen Rückfragen wenden Sie sich gerne an uns.

