Aktuelles
HbA1c mit neuer Einheit
Von: Michael Steiner
Der Labormedicus 27 bildet den Auftakt einer Serie zum Thema Diabetes mellitus. Im Mittelpunkt steht die glykämische Kontrolle mit Neuigkeiten zum HbA1c und zu der lange erwarteten Möglichkeit, aus dem HbA1c sicher auf eine mittlere Glucosekonzentration zu schließen.
HbA1c mit neuer (und alter) Einheit …
Der Anteil des glykierten Hämoglobins ist ein etablierter Marker für die Stoffwechseleinstellung diabetischer Patienten und die Fraktion HbA1c der Goldstandard. Frühere Standardisierungsbemühungen haben dazu geführt, dass die auf dem Markt befindlichen Analysensysteme nach dem Standard NGSP kalibriert sind und so eine Vergleichbarkeit der Befunde grundsätzlich gewährleistet wird. Dennoch waren Zweifel an der Referenzpräparation der Grund dafür, dass mit verbesserten analytischen Methoden ein neuer internationaler Standard für HbA1c etabliert wurde. Internationale Diabetes-Organisationen begrüßen diesen Schritt und empfehlen in Konsensus-Dokumenten die Umstellung auf den neuen IFCC-Standard und die neue Einheit mmol HbA1c pro mol Hämoglobin. Alle medizinischen Laboratorien in Deutschland sind weiterhin verpflichtet, die Qualitätssicherung auf den neuen Standard und die neue Einheit mit einer Übergangsfrist umzustellen.
Um die Stoffwechselführung diabetischer Patienten nicht mit einem abrupten Übergang zu gefährden, berichten wir ab 22.06.2009 Befunde für HbA1c in der alten Einheit (%) und in der neuen Einheit (mmol/mol) und folgen einer im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Empfehlung.
Beide HbA1c-Werte stehen in einer definierten mathematischen Beziehung zueinander und stellen sich beispielhaft wie folgt dar:
HbA1c alt | HbA1c neu |
|---|---|
(NGSP, %) | (IFCC, mmol/mol) |
6,0 | 42 |
7,0 | 53 |
8,0 | 64 |
9,0 | 75 |
Der Referenzbereich für HbA1c ist < 6,1 % bzw. < 43 mmol/mol.
Im Internet steht ein kleines Umrechnungsprogramm für HbA1c zur Verfügung, das Patienten empfohlen werden kann.
… und errechneter mittlerer Glucosekonzentration
Neben dem HbA1c zur Beurteilung der langfristigen Stoffwechsel-einstellung im Sinne des „Quartals-Blutzuckergedächtnis“ basiert das Arzt-Patienten-Gespräch auf der vom Patienten vorgenommenen Stoffwechselkontrolle mit Blutzucker-Selbstmessungen. Wiederholt gab es Ansätze, aus der langfristigen Kontrollgröße HbA1c eine mittlere Glucosekonzentration zu errechnen.
Mit Abschluss der internationalen ADAG-Studie (Diabetes Care 2008; 31:1473) wurde nun ein Meilenstein erreicht und die Korrelation zwischen HbA1c und mittlerer Glucosekonzentration für den praktischen Gebrauch definiert. Mehr als 500 Probanden (Diabetes Typ I bzw. II und Gesunde) mit jeweils 2700 Messwerten bilden die Datengrundlage. Praktisch wichtig ist, dass HbA1c-Werte niedrigere Glucosekonzentrationen abbilden als bisher angenommen. Weiterhin muss die gängige Aussage, dass eine HbA1c-Veränderung von 1 % einer Veränderung der durchschnittlichen Glucosekonzen-tration von 2 mmol/l (35 mg/dl) entspricht, revidiert werden.
Die Beziehung zwischen HbA1c und mittlerer Glucosekonzentration stellt sich wie folgt dar:
HbA1c | Mittlere Glucose | ||
|---|---|---|---|
% | mmol/mol | mmol/l | mg/dl |
6 | 42 | 7,0 | 125 |
7 | 53 | 8,5 | 154 |
8 | 64 | 10,1 | 182 |
9 | 75 | 11,7 | 211 |
10 | 86 | 13,3 | 240 |
11 | 97 | 14,9 | 268 |
12 | 108 | 16,5 | 29 |
Wir schließen uns ersten Empfehlungen an und berichten ab 22.06.2009 neben HbA1c die errechnete mittlere Glucose-konzentration in mmol/l und/oder mg/dl.
Die Ergebnisse der ADAG-Studie sind nicht für Kinder, Schwangere und hochbetagte Diabetiker validiert. Wir verfolgen die Entwicklung natürlich weiter und informieren Sie wieder, sobald neue Erkenntnisse vorliegen.

